Lebensraum seit Jahrtausenden
Der Ortsname Schleißheim wird im Jahr 785 erstmals erwähnt, und zwar als »Sliuuesheim« in der Urkunde »Traditio Rihpaldi«. Diese Urkunde dokumentiert die Schenkung von Gebäuden und Grundbesitz durch den Kleriker Rihpald an das Bistum Freising. Weitere mittelalterliche Urkunden erwähnen »Sliuisheim« (1022), »Slibesheim« (um 1180) bzw. »Nydernsleisheim« (um 1285).
Doch das Unterschleißheimer Gemeindegebiet war schon lange vor diesen mittelalterlichen Erwähnungen bewohnt. Bei den zahlreichen Wohnungs-, Industrie- und Straßenbau-Projekten seit den 1970er Jahren wurden immer wieder archäologische Funde aus frühester Zeit gemacht. Die Archäologen förderten Zeugnisse aus der späten Steinzeit (= Neolithikum, Jungsteinzeit), aus der Zeit der Kelten und Römer sowie aus dem Frühmittelalter zutage.
Von einem Jäger und Sammler der Jungsteinzeit (4500 – 2000 v. Chr.) stammt eine Pfeilspitze, die am Furtweg gefunden wurde. Zwei Keramikbecher sind in ihrer Gestaltung typisch für die Glockenbecherkultur 2000 v. Chr. Die Gefäße dienten als Grabbeigaben für eine Bestattung. Archäologische Funde von Webgewichten (»Spinnwirtel«) deuten darauf hin, dass auf Unterschleissheimer Gebiet Weberei betrieben wurde, und zwar sowohl während der bronzezeitlichen Urnenfelderkultur (ca. 13000 – 800 v. Chr.) als auch während der keltischen Latène-Zeit (ca. 450 – 40 v. Chr.). Im Bereich des heutigen IT Ports an der Freisinger Straße fanden Archäologen die Spuren einer außergewöhnlich hohen Zahl von Webstühlen aus der Urnenfelderzeit. Ein römischer Gutshof (»villa rustica«) stand einst in Hollern. Solche Gutshöfe produzierten Lebensmittel für die römischen Besatzungstruppen und die einheimische Bevölkerung. Ein frühmittelalterliches Dorf existierte im 5. und 6. Jahrhundert n. Chr. im Bereich der heutigen Landshuter Straße. Aus dem 7. Jahrhundert n. Chr. stammt ein germanisches Langschwert (»Spatha«).
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